Einfacher, als man denkt: Das Antiblockiersystem (ABS)

Das ABS System ist ein Sicherheitsfeature, welches praktisch in allen modernen Fahrzeugen wie beispielsweise dem Fiat Ducato verbaut ist. Es dient im Wesentlichen dazu, das Auto auch bei blockierenden Bremsen lenkbar zu halten. Das ist gerade im Winter sehr hilfreich.

Bei einem Bremsvorgang kann es zu einem blockieren der Räder führen und so zu einem unkontrollierbaren Fahrverhaltens des Fahrzeuges. Das Antiblockiersystem hat die Aufgabe das Blockieren der Räder zu verhindern und die Lenkfähigkeit des Fahrzeugs zu erhalten.
Hierfür kontrolliert ein ABS-Steuergerät mit Hilfe von Raddrehzahlsensoren die Drehzahl aller Räder des Fahrzeugs.

Der Bremsdruck wird abgesenkt, sobald eines der Räder zu blockieren droht, die Drehzahl also im Gegensatz zu den restlichen Rädern stark abnimmt. Sobald die Drehzahl dann wieder zu hoch ist, wird der Bremsdruck sofort wieder angehoben. Diesen Vorgang nennt man auch Druckmodulation.

Neben dem sicheren Fahrgefühl spürt der Fahrer den Einsatz des Antiblockiersystems auch manchmal durch ein leichtes Pulsieren am Bremspedal. Auf Schotter oder Schnee, also auf unbefestigten Untergründen, kann das ABS zu einer Verlängerung des Bremswegs führen.
Das Antiblockiersystem bietet auch noch einen weiteren Vorteil: Bei einer Vollbremsung ohne ABS würden sich so genannte Bremsplatten bilden und die Reifen würden schnell verschleißen. Durch das Antiblockiersystem können diese Bremsplatten nicht mehr entstehen und der Reifenverschleiß nimmt stark ab.

Das ABS klingt kompliziert, ist aber erstaunlich einfach in seiner Konstruktion. Das macht es vor allem im Reparaturfall recht leicht in den Griff zu bekommen.

Hier erklären wir Dir alles, was du über das ABS-System wissen musst:

  • Unterschied zwischen ABS und ASR
  • Was genau ist ein ABS-System?
  • Wo sitzt das ABS-Steuergerät?
  • Was sind die Bauteile vom ABS-System (Sensor und Ring)
  • Verschleißteile und Reparaturtipps

Der Unterschied zwischen ABS und ASR

Das ABS ist das Anti-Blockier-System. Das ASR ist die Anti-Schlupf-Regelung. Beim Anti-Blockier-System wird verhindert, dass die Räder bei einer Vollbremsung blockieren, d.h. sich nicht mehr weiter drehen. Bei der Anti-Schlupf-Regelung wird verhindert, dass sich die Räder durchdrehen. Es macht das Auto bei rutschigem Untergrund etwas manövrierfähiger. Wenn Du Dich allerdings fest gefahren hast, dann schaltest Du das ASR besser aus. Mit etwas Glück kannst Du Dich damit wieder frei arbeiten.

Aufbau und Funktion vom ABS System

Das ABS-System, wörtlich gesagt das „Anti-Blockier-System“ besteht aus vier Komponenten:

  • Dem ABS-Ring
  • Dem ABS-Fühler
  • Dem Steuergerät
  • Dem Bremssystem

Außer dem Steuergerät ist alles am ABS-System als Verschleißteil ausgelegt. Das macht die Reparatur einfach und hält die Kosten gering.
Die Funktionsweise des Antiblockiersystems ist folgende: Der ABS Ring sitzt an der Antriebswelle und dreht sich während der Fahrt ständig mit. Er besteht aus nicht lackiertem Stahl mit einem hohen Eisengehalt. Das ist notwendig, da er ein recht hohes Magnetfeld aufbauen muss. Mit rostfreiem oder zu stark lackiertem Stahl geht das nicht. Dieses Magnetfeld wird vom ABS-Sensor bzw. ABS-Fühler permanent erfasst. Der ABS-Ring hat eine gelochte oder gezahnte Oberfläche. Der Sensor empfängt so ein permanent wechselndes Signal. Solange das Steuergerät ständig diese oszillierenden Impulse empfängt, weiß es dass sich das Rad noch dreht. Ein sich drehendes Rad ist lenkbar. Sobald ein Rad steht, kennt das Fahrzeug nur noch eine Fahrtrichtung: Geradeaus. Wenn dann ein Hindernis im Weg steht, ist ein Zusammenstoß unvermeidlich. Ein Rad blockiert aber nur dann, wenn zu stark gebremst wird. Jetzt tritt das ABS-System in Aktion: Es löst impulsartig die Bremse und zieht sie sofort wieder an. So dreht sich das Rad ständig ein kleines Stück weiter – und das Auto bleibt lenkbar. Einem Hindernis kannst Du so auch bei glatter und rutschiger Straße noch ausweichen. Ein ABS-System ist damit im Grunde ein Kollisions-Verhinderungs-System.

Wo sitzt das ABS-Steuergerät beim Fiat Ducato?

Das ABS-Steuergerät ist in der Regel im normalen Fahrzeug-Steuergerät integriert. Es kann aber auch als einzelnes Bauteil ausgelegt sein. Es sitzt aber dann in der Nähe vom Steuergerät. Normalerweise hält ein Steuergerät ein Ducato-Leben lang.

Verschleiß am ABS System

Das ABS System geht meistens an zwei Stellen kaputt. Das sind der ABS-Ring und der Sensor. Der ABS Ring besteht aus hoch magnetischem und damit sehr eisenreichen Stahl. Das ist zwar gut für seine Funktion als Messwertgeber für den Sensor. Leider ist der Stahl damit auch sehr anfällig für Korrosion. Ein ABS Ring hält deshalb nur wenige Jahre, dann ist er praktisch weg gerostet. Der Messfühler sucht dann vergeblich nach seinen Impulsen und das Steuergerät meldet einen Fehler.

Ebenso kann auch der Sensor selbst ausfallen. Er sitzt an der Lenkmechanik und weist mit einer Stelle direkt auf den ABS-Ring. Die Datenleitung geht über ein Kabel vom Sensor zum ABS-Steuergerät. Ein kleiner Kabelbruch oder ein Schaden in der Isolierung reicht aus und das empfindliche Bauteil funktioniert nicht mehr. Er ist jedoch sehr leicht zugänglich und ist mit wenigen Handgriffen ausgetauscht.

Reparatur vom ABS System

Vorab dies: Wir geben Dir hier nur eine allgemeine Beschreibung und keine echte Reparaturanleitung für den Ducato. Wir empfehlen zur Reparatur von Bremsanlagen und Antiblockiersystems grundsätzlich das Aufsuchen einer Fachwerkstatt. Für etwaige Schäden die aus dem Befolgen der hier beschriebenen Schritte entstanden sind, übernehmen wir keine Haftung.
Zur Reparatur vom ABS System empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Auslesen des Fehlerspeichers
  • Austausch von ABS-Sensor und Fühler
  • Ggf. Überholung der Bremse

Das Steuergerät reagiert empfindlich darauf, wenn die Daten vom ABS-Sensor nicht mehr einwandfrei übermittelt werden. Lange bevor ein Datenkabel oder ein ABS-Ring weg gerostet ist, hat das Steuergerät bereits einen Fehler bemerkt. Dann leuchtet die „ABS-Leuchte“ auf dem Armaturenbrett von deinem Ducato auf. In diesem Fall solltest du zwar den Fehlerspeicher auslesen, um die genaue Quelle der Störung zu ermitteln. Wir empfehlen dir aber grundsätzlich, ein defektes ABS-System komplett zu überholen. So hast Du an dieser wichtigen und empfindlichen Stelle einen definierten Neuzustand und kannst für viele tausend Kilometer beruhigt weiter fahren.

Der ABS-Ring sitzt hinter der Staubmanschette an der Antriebswelle. Er umschließt die Welle vollständig. Das macht den Ausbau recht aufwändig, da du das Rad komplett zerlegen musst um an den ABS-Ring zu kommen. Aber sieh es von der positiven Seite: Bei dieser Gelegenheit kannst du auch gleich Deine Staubmanschette, Dein Radlager und Deine Antriebswelle genau inspizieren. Besser, Du tauschst bei dieser Gelegenheit alle schadhaften Teile aus, als in ein paar Wochen von vorne anfangen zu müssen.

Wenn natürlich „nur“ der ABS-Sensor defekt ist, kannst Du Dir das aufwändige Zerlegen sparen. Sieh Dir in diesem Fall aber dennoch bitte die Staubmanschette, das Radlager, Deine ganze Lenkmechanik und den ABS-Ring genau an. Wie gesagt: Es ist besser, ein Bauteil auszutauschen, bevor es ausfällt. Das erspart Dir eine ärgerliche Panne irgendwo unterwegs.

Aber selbst wenn Dir nur ein defekter Sensor vom Steuergerät angezeigt wird: Tausche bitte immer alles, was Du an Lenkung und Bremse reparierst, auf beiden Seiten aus. Dein Fiat Ducato altert überall gleichmäßig. Was Du heute an einer Ecke reparierst, wird in Kürze auch an der anderen Ecke ausfallen.

Der Sensor wird einfach abgezogen und gegen ein Neuteil getauscht. Sieh Dir bei der Gelegenheit vor allem die Steckverbindung an. Häufig dringt dort Feuchtigkeit ein und lässt die Stecker ein wenig rosten. Mach alles gründlich sauber, bevor Du den neuen Sensor einbaust.

 

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